Warum man es als UXler in Meetings schwer hat oder Warum jeder denkt, er sei ein Experte für Usability

Jeder, der im Internet unterwegs ist, ist logischerweise auch ein Nutzer von diversen Produkten und Anwendungen. Somit sammeln wir alle unsere eigenen Erfahrung mit guten und schlechten GUI-Konzepten und fühlen uns unter Umständen wie Experten auf dem Gebiet der Usability. Dies ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum Bedien- oder Designkonzepte hin und wieder zu ausufernden Diskussionen führen – jeder möchte seine Anwendungserfahrungen einfließen lassen. Dem einem gefallen die Farben nicht und dem anderen die Position von irgendwelchen Buttons. Dies ist warscheinlich auch einer der großen Unterschiede zu anderen Fachabteilungen. Mit einem ähnlichen Effekt haben auch andere Berufsgruppen zu kämpfen. Zum Beispiel glauben alle zu wissen, was es bedeutet, als Lehrer zu arbeiten, nur weil sie selbst mal zur Schule gegangen sind.

Völlig anders verhält sich dies zum Beispiel bei der Programmierarbeit von Entwicklern. Laien haben damit keine oder kaum persönliche Erfahrungen und können Arbeitsergenisse wie zum Beispiel den Quellcode fachlich nur schwer bewerten.

Eigene Erfahrungen von Projektbeteiligten sind wichtig, jedoch darf man den Nutzer, für den man das Produkt eintwickelt, nicht aus dem Auge verlieren. Genau hierin besteht ja auch die Aufgabe des UX-Experten: Gespräche immer wieder auf den eigentlichen Nutzer zu lenken und auch klar zu kommunizieren, warum das eigene GUI-Konzept nicht nach den Erfahrungen der Projektbeteiligten konzeptioniert wurde, sondern für die ganz spezielle Zielgruppe. Hierbei können Personas sehr hilfreich sein.

Ein weiterer Punkt, der die Arbeit von UXlern zusätzlich erschweren kann, liegt in der Usabiliy selber begründet. Sieht man ein klares, gut verständliches GUI Konzept, ist dies meist so einfach und prägnant, dass sich warscheinlich einige Projektbeteiligten fragen, was hieran besonders sein soll. Ganz nach dem Motto: „Das hätte ich auch hin bekommen. Wo liegt da die Kunst?“. Diese Reaktion ist durchaus verständlich. Zum einen hat jeder, wie ich oben erläutert habe, seine eigenen umfangreichen Erfahrungen mit Interfaces und zum anderen sind die besten GUI Konzepte nun einmal sehr einfach und reduziert, was auf Laien unter Umständen banal wirken kann.

Dem Phänomen „Das hätte ich auch hin bekommen. Wo liegt da die Kunst?“ kann man nur mit Zeit und Geduld entgegenwirken. Hierfür sollte man die Projektbeteiligten in die Entwicklung von GUI-Konzepten im geeigneten Maß einbinden und Aufwand und Komplexität auf diesem Weg transparent machen. Konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz für Usability im Unternehmen könnt ihr in Kürze hier in meinem Blog nachlesen.

 

Weiterführende Links:
Interview über Möglichkeiten die Akzeptanz von Usability in Unternehmen zu erhöhen

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